Der Manöverzug

Muss ich dann doch vielleicht erklären. Die Tatsache, dass in Timmerbruch ein Zug mit Panzern fährt. Obwohl ich doch erklärter Pazifist bin (Ostermärsche, Demos gegen den NATO-Doppelbeschluss) und den Kriegsdienst - so hieß das damals noch - verweigert hatte. Anmerkung: ob ich das heute noch genau so machen würde, will ich nicht beschwören. Die Frage stellt sich mir nicht (mehr), sie stellt sich aber unserer Gesellschaft angesichts der veränderten politischen Lage. Denn es sieht ja wirklich so aus, dass wir uns angesichts der Bedrohungen durch imperialistische Systeme, durch wahnhafte Tyrannen wie Putin & Co, durch mehr als zweifelhafte Staatenlenker wie den Blondschopf aus dem Weißen Haus, wehrhaft zeigen müssen, einfach um zu versuchen, das "wehren" zu verhindern. Aber das ist eine andere Frage.


Fünf Leos, ein Bergepanzer, zwei M113 unterwegs

Also der Zug mit den Panzern. Da gibt es in meiner Erinnerung eine Heimfahrt aus einem Manöver, 1971 muss das gewesen sein. Ich war ja als tauglich befunden worden und wurde 1970 für 18 Monate eingezogen, verweigert habe ich erst nach einem halben Jahr. Da war ich bereits Panzerfahrer eines zum Funkpanzer umgebauten M113 - siehe dazu mein Erlebnis mit eben diesem Fahrzeug. Und da Panzerfahrer Mangelware waren, wurde ich trotz laufenden Verfahrens weiterhin dringend gebraucht und auch fair behandelt. Meine Ankündigung, keine Waffe mehr in die Hand zu nehmen führte dazu, dass ich einen solchen Befehl auch nicht mehr erhielt. Unser Oberfeld dazu: "Kriegen wir doch irgendwie hin". Eine Gehorsamsverweigerung als Antwort auf einen solchen Befehl hätte ja zu Maßnahmen geführt, die mich lange Zeit als Panzerfahrer aus dem Verkehr gezogen hätten. Und das wollte unser Oberfeld natürlich verhindern, hat er ja auch geschafft.


Besagter 703 - tanken "im Feld" - ein besonderer Spaß

Irgendwann also mal wieder ein großes Manöver in Norddeutschland. Die Rückfahrt erfolgte per Bahn von Hamburg aus, Abfahrt spät abends. Die Panzer waren verladen, alles drängte in den Uralt-Personenwagen, der direkt hinter der Lok lief und ich freute mich über unsere Zuglok, eine V200.1. Da kam mir spontan eine Idee: ich verstaute meine Klamotten im Abteilwagen und ging nach vorn zur Lokomotive. Der Meister hing aus dem Fenster und lachte, als ich ihn fragte: "Na dann komm´ mal rauf" - und so kam ich zu einer spannenden Nachtfahrt auf dem Führerstand meiner Lieblingslok. War ich doch in Kinderzeiten lange Zeit Vorsitzender (und einziges Mitglied) im Pfiff-Klub "V200 hoch 1". Die Deutsche Bundesbahn unterstützte damals eisenbahnbegeisterte Kinder mit einer eigenen Zeitschrift und eben den Piff-Clubs. Der Lokführer war froh über die Gesellschaft in der Nacht und ich musste mich nicht bei dem Versuch verrenken, irgendwie eine Mütze Schlaf in den überfüllten Abteilen zu bekommen. Einige der Kameraden schliefen sogar in den Gepäcknetzen...


V200 auch im PFIFF-Club Magazin - Ausweise hatten wir natürlich auch...

Als ich meine Pfiff-Club-Vergangenheit im Führerstand zum Besten gab, haben wir uns beide vor Lachen geschüttelt. Kinderkram eben. Auf der Modellbundesbahn in Brakel aber sah ich 2025 genau einen solchen Manöverzug seine Runden drehen, bespannt mit einer V200.1. Und da begann es in mir zu arbeiten. Mir war von Beginn an klar, dass ein solcher Zug viel Arbeit bedeuten würde. Wie viele Stunden ich dann tatsächlich an den Details herumgebastelt habe, will ich mir gar nicht ausrechnen.


Modellbundesbahn Brakel - unbedingt besuchen

Die Kampfpanzer mussten - Epoche III - Leoparden sein, A1, dazu zwei M113. Natürlich auf Schwerlastwagen Rlmmp, die M113 durch Rungen gesichert, die Leos durch Ketten. Erst einmal die Panzer besorgen. Da die Zuglänge natürlich begrenzt ist, mussten fünf Leos ausreichen, dazu ein Bergepanzer damit das alles nicht so langweilig aussieht. Zusammen mit den beiden M113 und einem Doppeleinstiegs-Türen-Wagen ist der gesamte Zug schon gut 1,5m lang. Über die Bucht kamen die Fahrzeuge zügig in Timmerbruch an. Die Schwerlastwagen hatten - natürlich - alle einen wunderbar sauberen hellgelben Boden - da musste erst einmal das Schwämmchen für ein wenig "Dreck" sorgen.

Ein bisschen gealtert wurden auch die Panzer, vor allem aber matt überlackiert gegen den unnatürlichen Glanz. Dann Decals: Nummernschilder, Kreuze, Gewichtsaufkleber. Hier habe ich den Bogen der Fa. Peddinghaus genutzt. Erste Kritik: die gelben Gewichtsaufkleber, die ja ein bisschen Farbe ins ansonsten eintönig Nato-grüne Bild bringen, sind aufgeklebt überhaupt nicht mehr gelb. Auf dem Bogen selbst sehen sie noch sehr schön aus, aber auf den dunklen Modellen ist das Gelb überhaupt nicht zu erkennen. Bei den M113 von Schuco sieht das ganz anders aus. Hier überlege ich noch, was ich da mache.


M113 mit gelbem Gewichtsaufkleber beim Beladen der Wagen

Ähnliche Gelb-Probleme gab es an den Rlmmp´s - die haben ein Bremsrad an der Seite, dass oft gelb gestrichen, bei den Modellen aber der Einfachheit halber meistens aus schwarzem Kunststoff gespritzt ist, ein gemeinsamer Spritzling mit den Rungen. Da sich die Räder gut abziehen lassen war die Idee, sie einfach gelb zu streichen, auch das lockert das sonst ziemliche monochrome Bild deutlich auf. Doch trotz Entfettens, trotz der Grundierung und des Testens verschiedener Farben blieb das Ergebnis deutlich hinter den Erwartungen zurück.
- Farbe zu dünn: das Gelb kaum zu sehen
- Farbe zu dick: erste Batzen bilden sich
- Mehrfache Farbaufträge: feine Strukturen laufen teilweise zu.

Kollegen in den Foren antworteten prompt: die Deckkraft gerade bei hellen Farben sei deutlich eingeschränkt seit manche Chemikalien nicht mehr genutzt werden dürfen. Trotz hellgrauer Grundierung war das Gelb sein Geld nicht wert. Geholfen haben letztlich aus gelbem Kunststoff gespritzte Handräder von MÄTRIX, als Ersatzteile erhältlich. Die waren zwar eine Nummer größer, doch Fotos zeigen, dass viele reale Rlmmp´s tatsächlich mit Rädern ähnlichen Durchmessers bestückt waren.


Netzfund: großes Handrad beim großen Vorbild

Ein anderes Detail hatte ich vorher gar nicht auf dem Schirm und es ist erst durch Fotos und Filme aus dem Netz auf den Tisch gekommen: die Überfahrbleche zwischen den Wagen. Sie ermöglichen den Panzern, von Wagen zu Wagen über den gesamten Zug zu fahren. Hier gibt es Einzelbleche über den Puffern genau so wie Bleche, die über die gesamte Breite des Wagens verlaufen (und sich im Modell wegen der besseren Auflage natürlich einfacher realisieren lassen). Letztlich habe ich beide Möglichkeiten genutzt. Spannend war vorab nur die Frage: was passiert in den Kurven bei den kurzgekuppelten Wagen. Die Bleche ragen ja deutlich weiter an den Rand als die Puffer und kommen sich daher viel näher. Der Test auf R3-Bögen und S-Kurven war dann aber positiv: kein Problem. Knapp, aber tolerabel. Wird der Zug geschoben muss das SEHR vorsichtig geschehen. Dann kann es leicht passieren, dass sich die Bleche dann doch näher kommen.


Testlauf auf R3 - klappt. Noch fehlen Ketten und Farbe...

Und so fährt nun ein Panzertransport durch das Timmerland. Ich weiß natürlich, dass diese Kombination eben nicht gerade typisch ist, dass es eigentlich für eine Kompanie einige Fahrzeuge mehr hätten sein müssen und dass beim genauen Hinsehen vieles für den Fachmann (m/w/d) fraglich ist. So habe ich auch darauf verzichtet, die taktischen Zeichen anzugleichen, noch nicht einmal bei den Nummernschildern habe ich darauf geachtet, dass vorn und hinten die selbe Nummer erscheint - alles sowieso nicht zu erkennen. Es ist halt alles ein Kompromiss, ein Zitat. Auf jeden Fall macht er was her, mein Manöverzug! Und ehe sich wieder jemand an der fehlende Tiefenschärfe stört: mehr war einfach nicht drin! Trotz mehr als ausreichendem Licht der beiden 2.000Watt-Strahler - da hat sogar das iPhone kapituliert...

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